Von Nadine PEREIRA
Veröffentlicht am Tue, 04/01/2025 - 00:00
Der Chef der Billigmodekette Primark tritt zurück, nachdem ihm eine Frau Fehlverhalten vorgeworfen hat. Paul Marchant sei nach einer Untersuchung externer Anwälte mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, teilte der Mutterkonzern Associated British Foods mit. Es sei um Marchants Verhalten der Person gegenüber "in einem sozialen Umfeld" gegangen. Die Modehandelskette Primark mit Sitz im irischen Dublin betreibt international mehr als 450 Filialen, darunter mehrere Geschäfte in Deutschland. Marchant führte das Unternehmen seit 2009. Er habe sich bei der Person, dem Aufsichtsrat und seinen Kollegen bei Primark entschuldigt. "Ich bin zutiefst enttäuscht", teilte George Weston, Chief Executive von AB Foods, mit. Details zum Vorfall nannte das Unternehmen nicht. Finanzchef Eoin Tong soll nun vorübergehend als Interimschef Primark leiten, wie der Mutterkonzern mitteilte.
Im Gefolge der europäischen Börsen ging es zu Wochenbeginn auch am schweizerischen Aktienmarkt kräftig nach unten. Der SMI verlor 1,9 Prozent auf 12.598 Punkte. Bei den 20 SMI-Werten verzeichneten alle Aktien Abgaben. Dabei wurden 30,17 (zuvor: 20,27) Millionen Aktien umgesetzt. Mit Abschlägen zeigten sich auch die defensiven Index-Schwergewichte, allerdings fielen die Kursverluste hier teils nicht so deutlich aus. Die Papiere von Roche, Novartis und Nestle verloren zwischen 0,8 und 2,1 Prozent. Besonders unter Druck stand der europäische Banken-Sektor. Hier sei ein schwächeres wirtschaftliches Wachstum eingepreist worden. Zudem wird teils davon ausgegangen, dass die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung im April eine Zinspause einlegen wird. Die Aktien der UBS verloren 3,8 Prozent, Julius Bär büssten 2,3 Prozent ein.
Europa
An den europäischen Aktienmärkten ist es zum Start in die Woche deutlich abwärts gegangen. Der DAX fiel um 1,3 Prozent auf 22.163 Punkte, notierte im Tief unter der 22.000er Marke. Der Euro-Stoxx-50 verlor 1,6 Prozent auf 5.248 Zähler. Bei den Branchen fielen in Europa die Automobilwerte im Schnitt um 2,6 Prozent, sie dürften am stärksten von den US-Zöllen betroffen sein. Ab dem 2. April sollen neue US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle importierten Autos und Autoteile in Kraft treten. Die Zölle gelten zusätzlich zu den bereits bestehenden Abgaben. Zudem werden am Mittwoch reziproke Zölle verkündet. Das Ausmass dieser Zölle oder die zeitliche Implementierung ist derweil noch offen. Der Sektor der defensiven Telekomwerte handelte mit plus 0,2 Prozent als einziger in positivem Terrain. Bei den Einzelwerten standen in Schweden die Aktien von Fortnox mit einem Übernahmeangebot im Fokus. Die Titel schossen um 33 Prozent nach oben. In Deutschland ging es für die Aktie von Cancom um 15,1 Prozent nach unten. Die DZ Bank attestiert Cancom einen enttäuschenden Ausblick 2025. Das Sentiment zur Aktie dürfte mit den neuen Informationen weiter gedämpft bleiben, da der Ausblick für Investoren abermals eine Enttäuschung darstelle. Die Aktien von International Consolidated Airlines (IAG) ging es um 6,6 Prozent nach unten, nachdem Virgin Atlantic berichtet hatte, dass es Anzeichen für eine Abschwächung der US-Nachfrage nach transatlantischen Reisen gebe.
USA
Nach der Talfahrt zum Wochenschluss kam es an der Wall Street am Montag zu einer leichten Erholung. Nach anfänglichen erneuten Verlusten drehten die Indizes im Verlauf ins Plus. Der Nasdaq-Composite schloss leicht im Minus. Bei den Anlegern herrschte aber weiter erhöhte Nervosität, denn am Mittwoch will US-Präsident Donald Trump Details zu den geplanten Strafzöllen bekannt geben. Diese könnten noch umfangreicher ausfallen als bislang angedroht, berichtete das Wall Street Journal. Trump selbst hatte am Sonntag verkündet, dass die Strafzölle alle Handelspartner der USA betreffen würden. Bislang fest steht, dass ab Mittwoch Strafzölle von 25 Prozent auf Autos und Autoteile erhoben werden sollen, die ausserhalb der USA hergestellt wurden. Der Dow-Jones-Index gewann 1,0 Prozent auf 42.002 Punkte. Der S&P-500 legte um 0,6 Prozent zu, Dagegen verlor der Nasdaq-Composite 0,1 Prozent. Die Zahl der Kursgewinner an der Nyse betrug nach vorläufigen Angaben 1.499 (Freitag: 591), die der -verlierer 1.300 (2.187). Unverändert schlossen 36 (56) Titel. Die Anleger könnten nach Einschätzung von Derek Halpenny von MUFG hinsichtlich des potenziellen Umfangs und der Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump geplanten Zölle zu optimistisch sein. "Ich denke, dass... wir eine ziemlich breit gefächerte, grosse Anzahl von Ländern haben werden, die mit Zöllen belegt werden", sagte der Analyst. Obwohl es nach der Ankündigung am Mittwoch wahrscheinlich zu einer erhöhten Volatilität kommen dürfte, sei eine "grosse einmalige Reaktion" unwahrscheinlich, und die Anleger könnten abwarten, bis die Wirtschaftsdaten die Auswirkungen der Zölle zeigten. Die Anleger trennten sich vor allem von Technologiewerten. Die Nvidia-Aktie fiel um 1,3 Prozent. Für Coreweave ging es 7,5 Prozent abwärts. Das von Nvidia gestützte KI-Startup hatte am Freitag ein enttäuschendes Börsendebüt verzeichnet, was Befürchtungen verstärkte, dass der KI-Hype seinen Höhepunkt hinter sich haben könnte. Palantir verbilligten sich um 1,7 Prozent. Der Kurs des Elektroautoherstellers Tesla gab ebenfalls um 1,7 Prozent nach.
Asien
Nach dem von teils schweren Verlusten geprägten Wochenstart gehen die Aktienmärkte in Ostasien am Dienstag auf Erholungskurs. In Tokio fällt die Erholungsbewegung schwach aus. Dem 4-prozentigen Minus vom Vortag folgt lediglich eine Gegenbewegung um 0,1 Prozent auf 35.653 Punkte.
Obligationen
Auf der Suche nach sicheren Häfen griffen Anleger zu Staatsanleihen, deren Renditen im Gegenzug erneut sanken. Die US-Rendite zehnjähriger Papiere verlor am Montag weitere 4,0 Basispunkte auf 4,22 Prozent.
Analyse
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