Von Stefan KIRSCH
Veröffentlicht am Mon, 03/24/2025 - 00:00
Der chinesische Elektroautohersteller Nio hat im vierten Quartal den Verlust trotz höherer Verkaufszahlen überraschend ausgeweitet. Auch der Umsatz lag unter den Konsensschätzungen von Analysten. Hintergrund der enttäuschenden Entwicklung ist der zunehmend schärfere Wettbewerb auf dem weltweit grössten Automarkt China, der immer mehr Unternehmen belastet. Die in den USA gelisteten Papiere fielen um 4,5 Prozent. Der in Shanghai ansässige Automobilhersteller berichtete für die drei Monate einen Nettoverlust von 7,13 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 908 Millionen Euro. Analysten haben laut Visible Alpha im Konsens mit einem Fehlbetrag von 4,63 Milliarden Yuan gerechnet. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 19,70 Milliarden Yuan. Hier wurde von Analysten 22,22 Milliarden Yuan erwartet. Die Bruttomarge von Nio verbesserte sich den weiteren Angaben zufolge von 7,5 im Vorjahr auf 11,7 Prozent. Im Vergleich dazu hatten die Konkurrenten Xpeng und Li Auto Bruttomargen von 14,4 beziehungsweise 20,3 Prozent für das Quartal erzielt. Für das erste Quartal rechnet Nio mit Fahrzeugauslieferungen zwischen 41.000 und 43.000 Einheiten, das sind 36 bis 43 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz soll um 25 bis 30 Prozent steigen und zwischen 12,37 Milliarden und 12,86 Milliarden Yuan liegen.
Konjunktursorgen haben den schweizerischen Aktienmarkt am Freitag belastet. Der SMI verlor 0,2 Prozent auf 13.075 Punkte. Bei den 20 SMI-Werten standen sich 14 Kursverlierer und sechs -gewinner gegenüber. Umgesetzt wurden 60,45 (zuvor: 25,6) Millionen Aktien. Das überdurchschnittlich hohe Umsatzvolumen war dem grossen Verfalltermin geschuldet. An der Spitze des SMI lagen die als defensiv geltenden Swisscom, die um 1,3 Prozent stiegen. Roche legten um 1 Prozent zu. Nestlé (+0,5%) zeigten sich unbeeindruckt von der Abstufung auf "Sectorperform" von "Outperform" durch die Analysten der RBC. Richemont, die am Donnerstag von enttäuschenden Uhrenexportdaten belastet worden waren, erholten sich in einer Gegenbewegung um 1,3 Prozent. Swatch zeigten sich 0,3 Prozent höher. Auf der Verliererseite fanden sich die eigentlich eher defensiven Givaudan (-3%). Auch die Konjunkturzykliker ABB (-1,6%), Geberit (-1,4%), Holcim (-1,2%) und Sika (-2,4%) verbuchten deutliche Kursverluste.
Europa
Die europäischen Aktienmärkte haben zum Wochenausklang weiter nachgegeben. Der DAX verlor 0,5 Prozent auf 22.892 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,5 Prozent auf 5.424 Punkte nach unten. Einer der wenigen stabilen Länderindizes in Europa war der spanische Ibex. Er stieg um 0,3 Prozent. Damit profitierte er von der andauernden Rally seines Index-Schwergewichts Iberdrola. Der Kurs stieg um 1,9 Prozent auf 14,42 Euro und markierte neue Allzeithochs. Die UBS-Analysten haben das Kursziel am Morgen auf 15,90 Euro erhöht. Die Verluste im DAX wären vermutlich noch höher, wenn nicht die Aktien von SAP relativ gut im Markt gelegen hätten. So stabilisierten SAP mit einem Aufschlag von 0,7 Prozent den Index. Zum Schlusskurs ist das Gewicht von SAP im DAX wieder auf 15 Prozent von etwa 13,5 Prozent gestiegen. Das führte zu Käufen indexorientierter Anleger. Zum Börsenschluss traten auch die Änderungen in der zweiten und dritten Reihe in Kraft. DWS, Flatexdegiro und Renk sind in den MDAX aufgestiegen, verlassen mussten ihn nun Hypoport, Schott Pharma und Siltronic. DWS zogen um 2,3 Prozent an, Flatexdegiro um 1,1 Prozent. Renk litten nach der jüngsten Aufwärtswelle unter Gewinnmitnahmen und verloren 1,6 Prozent. Bei den MDAX-Absteigern fielen Hypoport um 3 Prozent, Schott Pharma um 2,6 Prozent und Siltronic um 2,3 Prozent. Douglas (-22,5%) sind ein weiteres Opfer des schwachen Konsums.
USA
Der Grosse Verfalltermin und Konjunktursorgen haben den Handel an der Wall Street zum Wochenausklang bestimmt. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent auf 41.985 Punkte. S&P-500 und Nasdaq-Composite gewannen 0,1 bzw 0,5 Prozent. Die Zahl der Kursgewinner an der Nyse betrug nach vorläufigen Angaben 903 (Donnerstag: 1.148), die der -verlierer 1.865 (1.590). Unverändert schlossen 54 (84) Titel. Unter den Einzelaktien zeigten sich Nike mit Abschlägen von 5,5 Prozent sehr schwach. Der Sportartikelhersteller hat in seinem dritten Geschäftsquartal zwar einen geringeren Gewinnrückgang ausgewiesen als befürchtet, mit dem Ausblick aber enttäuscht. FedEx legte Drittquartalszahlen unter Markterwartung vor und senkte den Ausblick, was die Aktie um 6,4 Prozent drückte. Der Logistiker gilt auch als eine Art Konjunkturbarometer. Tesla zogen dagegen um 5,3 Prozent an. Der E-Automobilhersteller will in diesem Jahr 5.000 seiner humanoiden Optimus-Roboter bauen, wie CEO Elon Musk sagte. Er animierte zudem Mitarbeiter und Anleger, ihre Tesla-Aktien trotz der jüngsten Verluste zu halten. Micron Technology hat im zweiten Quartal mehr verdient als erwartet. Marktteilnehmer monierten allerdings die Margenprognose. Daher sank der Kurs um 8 Prozent. Gute Erstquartalszahlen halfen Lennar (-4,1%) nicht auf die Sprünge, denn der Hausbauer warnte vor einem schwachen Immobilienmarkt. Luminar Technologies sprangen um 33 Prozent nach oben, nachdem der Verlust geringer als befürchtet ausgefallen war.
Asien
Zum Start in die neue Woche treten die Börsen in Ostasien mehr oder weniger auf der Stelle. In Tokio notiert der Nikkei-225-Index kaum verändert bei 37.687 Punkten. Der Kospi in Seoul sinkt um 0,2 Prozent. In Schanghai geht es mit dem Composite-Index um 0,2 Prozent nach unten. An der Börse in Hongkong steigt der Hang-Seng-Index um 0,1 Prozent. Unter den Einzelwerten geben Sinopec in Hongkong um 2,8 Prozent nach. Der Ölkonzern hat 2024 weniger verdient als erwartet. In Sydney stürzt der Kurs von James Hardie um 14,5 Prozent ab. Der Baustoffanbieter hat den Kauf der in den USA börsennotierten Azek zum Preis von 8,75 Milliarden US-Dollar angekündigt.
Obligationen
Am US-Rentenmarkt stieg die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen um 3 Basispunkte auf 4,26 % während die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihen 1 Basispunkt auf 3,97% verlor. Anleihen dürften gesucht bleiben - angetrieben von der Furcht, dass sich eine Konjunkturabschwächung noch verschlimmern könnte, argumentiert Rentenstratege Peter Cardillo von Spartan Capital.
Analyse
Barclays senkt Holcim auf 80 (84) CHF - Underweight
MS erhöht VAT Group auf Equalw. (Underw.)/315 (300) CHF - Händler
JPM erhöht Swiss Re auf 170 (160) CHF - Overweight
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